Eine Bewerbung bei einem öffentlichen Arbeitgeber unterscheidet sich nicht grundsätzlich von einer Bewerbung in der Privatwirtschaft – sie ist häufig aber formaler. Ausschreibungen enthalten oft genau definierte Voraussetzungen, Fristen und Bewertungskriterien. Beim Bund gelten für die Personalauswahl gesetzliche Rahmenbedingungen, etwa das Ausschreibungsgesetz 1989.
Der wichtigste Tipp lautet deshalb: Lesen Sie die Ausschreibung nicht nur als Stellenbeschreibung, sondern als Anleitung für Ihre Bewerbung.
1. Die Ausschreibung vollständig lesen
Markieren Sie vor dem ersten Entwurf fünf Bereiche:
- Aufgaben der Stelle,
- formale Voraussetzungen,
- besondere Kenntnisse und Fähigkeiten,
- erforderliche Unterlagen,
- Bewerbungsfrist und Bewerbungsweg.
Bei Bundesstellen ist in der Ausschreibung anzugeben, mit welcher Gewichtung die besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Eignungsbeurteilung berücksichtigt werden. Diese Gewichtung zeigt, worauf Sie in Lebenslauf und Motivationsschreiben den Schwerpunkt legen sollten. Für die Bewerbungsfrist gilt: Sie beträgt bei Bundesstellen mindestens einen Monat; das Ende der Frist steht in der Ausschreibung.
2. Muss-Kriterien und Wunsch-Kriterien unterscheiden
Nicht jede Formulierung hat dasselbe Gewicht.
Klare formale Anforderungen
- abgeschlossenes Studium,
- Matura,
- Lehrabschluss,
- Berufsberechtigung,
- Führerschein,
- bestimmte Sprachkenntnisse,
- arbeitsmarktrechtliche Voraussetzungen.
Wird eine solche Voraussetzung zwingend gefordert, prüfen Sie vorab, ob Sie sie tatsächlich erfüllen.
Fachliche Anforderungen
- Erfahrung im Projektmanagement,
- Kenntnisse bestimmter Rechtsmaterien,
- Erfahrung mit Datenbanken oder Fachanwendungen,
- Budget- oder Führungserfahrung.
Hier sollte die Bewerbung konkrete Nachweise aus der bisherigen Praxis liefern.
3. Welche Bewerbungsunterlagen werden benötigt?
Es gibt keine Unterlagenliste, die für jede öffentliche Stelle Österreichs gilt. Häufig verlangt werden:
- Lebenslauf,
- Motivationsschreiben oder Begründung der Bewerbung,
- Ausbildungsnachweise und Zeugnisse,
- Nachweise über Berufserfahrung,
- gegebenenfalls Staatsbürgerschaftsnachweis oder Nachweis des Zugangs zum Arbeitsmarkt,
- bei bestimmten Stellen zusätzliche fachliche Dokumente.
Verwenden Sie immer die Unterlagenliste der konkreten Ausschreibung – nicht eine allgemeine Checkliste aus dem Internet. Viele Bewerbungen für Bundesstellen können direkt über die Jobbörse der Republik Österreich eingereicht werden.
4. Der Lebenslauf: klar und nachweisbar
Ein Lebenslauf für eine öffentliche Stelle muss nicht „behördlich“ klingen. Er sollte übersichtlich zeigen: Zeitraum, Arbeitgeber, Funktion, zentrale Aufgaben, relevante Verantwortung, Ausbildung, Zusatzqualifikationen sowie Sprach- und IT-Kenntnisse. Besonders hilfreich sind konkrete Angaben – statt „verantwortlich für Projekte“ etwa „Steuerung von Digitalisierungsprojekten mit bis zu acht Projektbeteiligten; Koordination externer Dienstleister sowie Termin- und Budgetcontrolling“.
5. Das Motivationsschreiben: nicht allgemein bleiben
Ein Motivationsschreiben sollte drei Fragen beantworten:
- Warum diese Stelle? Beziehen Sie sich auf die konkrete Aufgabe.
- Warum sind Sie fachlich geeignet? Nennen Sie zwei bis drei Anforderungen der Ausschreibung und belegen Sie diese.
- Warum möchten Sie für diesen Arbeitgeber arbeiten? Beziehen Sie sich auf Aufgaben und Verantwortungsbereich der Organisation.
Wenig überzeugend: „Ich möchte im öffentlichen Dienst arbeiten, weil ich einen sicheren Arbeitsplatz suche.“ Stärker: „Die ausgeschriebene Funktion verbindet meine Erfahrung in der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen mit der Möglichkeit, an einer österreichweit eingesetzten Fachanwendung mitzuwirken.“
6. Bewerbungsfrist ernst nehmen
Öffentliche Ausschreibungen haben klar definierte Fristen. Warten Sie nicht bis wenige Minuten vor Fristende. Praktische Empfehlung:
- Unterlagen mehrere Tage vorher fertigstellen,
- Uploads und Pflichtfelder kontrollieren,
- Dateinamen verständlich benennen,
- nach dem Absenden die Bestätigung prüfen.
Wird ausdrücklich eine Bewerbung über ein Portal verlangt, senden Sie die Bewerbung nicht zusätzlich per E-Mail.
7. Wie läuft das Auswahlverfahren ab?
Das Verfahren hängt von Dienstgeber und Stelle ab. Im Bundesdienst kommen je nach Anforderungsprofil unterschiedliche Methoden zum Einsatz; das Bundeskanzleramt nennt unter anderem:
- computerbasierte Leistungstests,
- strukturierte Interviews mit vorher definierten Beurteilungskriterien,
- Verhaltensbeobachtung in realitätsnahen Situationen (Module aus Assessment Centern wie Präsentationen, Rollenspiele, Gruppendiskussionen).
Nicht jede Stelle nutzt alle Methoden. Über die Einstellung entscheiden unabhängige Kommissionen; die Auswahl orientiert sich am Anforderungsprofil der Stelle. Eine Vorbereitung auf die konkreten Aufgaben ist daher sinnvoller als das Auswendiglernen allgemeiner „Beamtenfragen“.
8. Vorbereitung auf ein strukturiertes Bewerbungsgespräch
Bei strukturierten Interviews werden Kandidatinnen und Kandidaten anhand vergleichbarer Kriterien beurteilt. Bereiten Sie Beispiele für typische Kompetenzfragen vor – etwa zu Teamarbeit, Problemlösung, Priorisierung, Kommunikation und Verantwortung. Eine hilfreiche Struktur für Antworten ist: Situation → Aufgabe → Vorgehen → Ergebnis. So bleiben Antworten nachvollziehbar und konkret.
9. Fachliche Tests und Eignungsscreenings
Je nach Stelle können Tests Teil des Auswahlverfahrens sein, etwa zu logisch-schlussfolgerndem Denken, sprachlichen Fähigkeiten, numerischem Verständnis oder fachlichen Kenntnissen. Lesen Sie die Ausschreibung erneut: Das Anforderungsprofil zeigt, welche Kompetenzen wesentlich sind.
10. Gehalt und Einstufung vor dem Gespräch verstehen
Klären Sie vor dem Gespräch, welches Beschäftigungsausmaß vorgesehen ist, welches Entlohnungsschema genannt wird, ob der Betrag ein Mindestbetrag ist, ob Vordienstzeiten relevant sind und ob Zulagen erwähnt werden. So können Sie sachlich nachfragen, ohne ein privatwirtschaftliches Gehaltsverhandlungsschema auf ein gesetzlich geregeltes Entlohnungssystem zu übertragen.
11. Darf ich bei Unklarheiten nachfragen?
Ja, und häufig ist das sinnvoll. Viele Ausschreibungen nennen eine Kontaktperson für fachliche Fragen – etwa zur Teamgröße, zum Beschäftigungsausmaß, zur organisatorischen Einordnung oder zu Nachweisen für Vordienstzeiten. Fragen, deren Antwort klar in der Ausschreibung steht, sind weniger sinnvoll.
12. Häufige Fehler bei Bewerbungen
- Unvollständige Unterlagen: vor dem Absenden mit der Ausschreibung abgleichen.
- Standard-Motivationsschreiben: mindestens die wichtigsten Anforderungen konkret aufgreifen.
- Formale Voraussetzungen überlesen: zuerst prüfen, bevor viel Zeit in die Bewerbung fließt.
- Aufgaben nicht verstanden: im Gespräch sollte erkennbar sein, wofür Sie sich beworben haben.
- Nur mit Sicherheit argumentieren: öffentliche Arbeitgeber suchen Personen, die die Aufgabe erfüllen können und wollen.
- Zu abstrakte Beispiele: nicht nur „teamfähig“ schreiben, sondern eine Situation nennen, die Teamfähigkeit zeigt.
Bewerbungs-Checkliste
Vor der Bewerbung
- Bewerbungsfrist notiert
- Aufgaben verstanden
- Muss-Kriterien erfüllt
- Anforderungs- und Bewertungskriterien markiert
- Entlohnung und Beschäftigungsausmaß geprüft
- Kontaktperson notiert
Unterlagen
- Lebenslauf aktuell
- Motivationsschreiben auf die Stelle abgestimmt
- Ausbildungsnachweise vorhanden
- geforderte Zeugnisse beigefügt
- zusätzliche Nachweise beigefügt
- Dateinamen eindeutig
- alle Dateien lesbar
Vor dem Absenden
- Bewerbungskanal stimmt
- Pflichtfelder ausgefüllt
- Anhänge vollständig
- Kontaktdaten korrekt
- Kopie oder Bestätigung gespeichert
Vor dem Gespräch
- Organisation recherchiert
- Stellenausschreibung erneut gelesen
- vier bis fünf konkrete Praxisbeispiele vorbereitet
- fachliche Themen wiederholt
- Fragen an den Arbeitgeber vorbereitet
Fazit
Eine gute Bewerbung im öffentlichen Dienst ist vor allem präzise. Wer die Ausschreibung genau liest, formale Anforderungen erfüllt und die eigene Erfahrung konkret mit den geforderten Kompetenzen verbindet, schafft eine wesentlich bessere Grundlage für das Auswahlverfahren. „Behördlich“ schreiben müssen Sie dafür nicht – klare, konkrete und nachvollziehbare Beispiele überzeugen mehr als komplizierte Formulierungen.